Fliesen

Fliesen bohren ohne Bruch: Werkzeug und Technik

Fliesen bohrt man mit speziellen Fliesen- oder Diamantbohrern, langsamer Drehzahl und ohne Schlagfunktion. Das Anbohren gelingt mit Anzeichnen, Ankörnen bzw. Klebeband gegen das Verrutschen. Hartes Feinsteinzeug braucht Diamantbohrer und Kühlung. So entstehen saubere Löcher ohne Riss und Ausbruch.

Geflieste Badwand vor dem Bohren
Langsame Drehzahl, kein Schlag und das richtige Werkzeug – so bricht die Fliese nicht. · Foto: www.trek.today / Flickr · CC BY 2.0

Ein Handtuchhalter, ein Spiegelschrank, eine Duschstange – irgendwann muss man in die frisch verlegte Fliese bohren. Und genau davor haben viele Respekt, denn eine gesprungene Fliese ist ärgerlich und schwer zu ersetzen. Mit dem richtigen Werkzeug und etwas Technik gelingt das Loch jedoch sauber und ohne Bruch.

Das richtige Werkzeug

Der wichtigste Faktor ist der Bohrer:

  • Fliesenbohrer mit hartem Spitzenschliff für glasierte Keramik,
  • Diamantbohrer für hartes Feinsteinzeug,
  • für große Löcher eine Diamant-Lochsäge (Bohrkrone).

Normale Steinbohrer sind ungeeignet – sie lassen die Fliese eher springen.

Ohne Schlag, mit Gefühl

Die zweite Grundregel: keine Schlagfunktion. Die Schläge der Bohrmaschine lassen die spröde Fliese springen. Deshalb bohrt man:

  • ohne Schlag, mit reiner Drehbewegung,
  • mit langsamer bis mittlerer Drehzahl,
  • mit wenig Druck.

Erst hinter der Fliese, im Mauerwerk, darf bei Bedarf mit Schlag weitergebohrt werden.

Verrutschen verhindern

Die glatte Oberfläche lässt den Bohrer leicht abrutschen. Zwei einfache Tricks helfen:

  • ein Stück Kreppband über der Bohrstelle gibt Halt und markiert den Punkt,
  • langsames Anbohren mit wenig Druck, bis die Spitze greift.

So bleibt der Bohrer genau dort, wo er soll.

Kühlen bei hartem Material

Bei hartem Feinsteinzeug und größeren Löchern ist Kühlung mit Wasser wichtig: Sie verhindert, dass Bohrer und Fliese überhitzen und die Fliese reißt. Diamantbohrer und Bohrkronen profitieren besonders davon. Man arbeitet kontrolliert und lässt das Werkzeug schneiden, statt zu drücken.

Nassbereich: Löcher abdichten

Ein oft vergessener Punkt: Im Nassbereich müssen Bohrlöcher abgedichtet werden, damit kein Wasser durch das Loch in die Wand und hinter die Abdichtung gelangt. Silikon in der Bohrung und um die Dübel schützt zuverlässig – gerade in der Dusche entscheidend. Wo möglich, ist die Fuge der sicherere Bohrort, weil dort kein Fliesenmaterial springt.

Der richtige Dübel danach

Das Loch ist nur die halbe Miete – entscheidend ist auch der passende Dübel für die dahinterliegende Wand. Denn hinter der Fliese verbirgt sich oft eine hohlliegende Vorwand aus Gipsplatten, massives Mauerwerk oder Beton. Für massive Untergründe eignen sich Standard-Spreizdübel, für hohle Trockenbauwände dagegen spezielle Hohlraumdübel, die sich dahinter verspreizen oder verknoten.

Wichtig ist, den Dübel auf die erwartete Last abzustimmen: Ein Handtuchhaken stellt andere Anforderungen als ein schwerer Hängeschrank oder ein Waschtisch. Wer schwere Lasten befestigt, sollte die Tragfähigkeit des Untergrunds kennen und im Zweifel eine Traverse oder eine tragfähige Befestigungsebene einplanen. Ein sauber gebohrtes Loch nützt wenig, wenn der Dübel die Last nicht hält.

Typische Fehler

  • Schlagbohrfunktion aktiviert, die Fliese springt
  • normaler Steinbohrer statt Fliesen- oder Diamantbohrer
  • zu nah an die Kante gebohrt, Ausbruch
  • im Nassbereich das Abdichten der Bohrlöcher vergessen

Fazit

Fliesen bohrt man ohne Bruch, wenn man die Regeln beachtet: das richtige Werkzeug (Fliesen- oder Diamantbohrer), keine Schlagfunktion, langsame Drehzahl, Kreppband gegen das Verrutschen und Kühlung bei hartem Material. Im Nassbereich gehören die Löcher zusätzlich abgedichtet. Mit dieser Technik entstehen saubere Löcher – und die teure Fliese bleibt heil.

Häufige Fragen

Welchen Bohrer braucht man für Fliesen?

Für glasierte Keramik einen speziellen Fliesenbohrer mit hartem Spitzenschliff, für hartes Feinsteinzeug einen Diamantbohrer. Normale Steinbohrer sind ungeeignet und lassen die Fliese eher springen. Das passende Werkzeug ist der wichtigste Faktor für ein sauberes Loch.

Warf darf man Fliesen nicht mit Schlag bohren?

Die Schlagfunktion der Bohrmaschine erzeugt Schläge, die die spröde Fliese springen lassen. Deshalb bohrt man Fliesen immer ohne Schlag, mit reiner Drehbewegung und langsamer bis mittlerer Drehzahl. Erst hinter der Fliese, im Mauerwerk, darf bei Bedarf mit Schlag gebohrt werden.

Wie verhindert man, dass der Bohrer verrutscht?

Die glatte, glasierte Oberfläche lässt den Bohrer leicht abrutschen. Ein Stück Kreppband über der Bohrstelle gibt Halt und markiert den Punkt. Zusätzlich hilft langsames Anbohren mit wenig Druck, bis die Spitze greift. So bleibt der Bohrer an der richtigen Stelle.

Muss man beim Bohren kühlen?

Bei hartem Feinsteinzeug und größeren Löchern ja: Kühlung mit Wasser verhindert, dass Bohrer und Fliese überhitzen und die Fliese reißt. Bei kleinen Löchern in weicher Wandkeramik ist es weniger kritisch, schadet aber nie. Diamantbohrer profitieren besonders von Kühlung.

Wie bohrt man große Löcher für Rohre?

Große, runde Löcher – etwa für Rohre – bohrt man mit einer Diamant-Lochsäge (Bohrkrone) bei langsamer Drehzahl und mit Kühlung. Man arbeitet kontrolliert und ohne Druck, bis die Bohrkrone durch ist. So bleibt der Rand sauber und die Fliese heil.

Sollte man in die Fliese oder in die Fuge bohren?

Wo möglich, ist die Fuge der einfachere und sicherere Ort, weil dort kein Fliesenmaterial springen kann und sich Löcher später leichter kaschieren lassen. Ist das nicht möglich, bohrt man in die Fliese – aber nicht zu nah an die Kante, um Ausbrüche zu vermeiden.

Was tun, damit hinter der Fliese kein Wasser eindringt?

Im Nassbereich werden Bohrlöcher, etwa für Halter, nach dem Bohren abgedichtet – zum Beispiel mit Silikon in der Bohrung und um die Dübel. So gelangt kein Wasser durch das Loch in die Wand und hinter die Abdichtung. Das ist gerade in der Dusche wichtig.

Redaktioneller Hinweis

Dieser Beitrag wurde von der Redaktion Raumfundament erstellt und zuletzt am geprüft. Genannte Preise sind Orientierungswerte und hängen von Region, Fläche, Material und Objektzustand ab.

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